Das Anliegen des neuen Begleitstudiums am Philosophischen Seminar entsteht für mich unter anderem aus meiner Beschäftigung mit dem Philosophen Günther Anders und dessen Fragen an die Philosophie. Er schreibt in seinen Philosophischen Stenogrammen:

Philosophieren ist kein job. Sondern eine Beschäftigung, die darin besteht, dass man sich für die Versuchungen durch philosophische Fragen pausenlos offenhält.“

Günther Anders: Philosophische Stenogramme. München 1965, S. 5.

Mit dieser Charakterisierung des Philosophierens steht Günther Anders heute eher allein da: Einerseits gilt das Philosophieren als wissenschaftliche Disziplin, die den Lebenslauf aufhübschen oder gar in einem ‚job‘ als Philosophin oder Philosophen münden kann. Anderseits gilt Philosophieren als eher unnötige Beschäftigung, der jeder Mensch eigentlich schon die ganze Zeit nachgeht – man möchte darüber jetzt nicht philosophieren, jeder Mensch habe da seine eigene Philosophie, heißt es dann.

Für Anders ist Philosophie jedoch eine Beschäftigung, die sich für philosophische Fragen offenhält. Unweigerlich entsteht die Frage, was philosophische Fragen sind. Und was soll das bedeuten, dass philosophische Fragen eine Versuchung versprechen? Anders deutet mit dieser Charakterisierung des Philosophierens auf einen wichtigen Punkt: Philosophieren ist eine Beschäftigung des Sich-Offen-Haltens, des Sich-Öffnens für Fragen, die uns Menschen eigentlich versuchen, die uns reizen in unserem Menschsein. Fragen, die vielleicht keine endgültige Klärung zulassen, weil sich auch das Menschsein nicht endgültig klären lässt – mit dem wir aber pausenlos konfrontiert sind, wenn wir uns dafür offenhalten. Das ist dann jedoch mehr als ein ‚job‘.